Verbund.NRW Kollegiaten besuchten die GFK-Aufbereitungsanlage der Firma neocomp GmbH

25.04.2018

Um sich über die Prozesse zur Aufbereitung und Verwertung glasfaserverstärkter Kunststoffe (GFK) zu informieren, besuchten die Kollegiaten Martin Simons (I.A.R.), Jan Stockschläder (TEER) und Valentin Sommer (OM) die Firma neocomp GmbH in Bremen. 2017 erhielt die neocomp GmbH für ihr umweltgerechtes Verfahren den internationalen GreenTec Award.

 
In der Aufbereitungsanlage Sommer, OM

Die neocomp GmbH gehört zur Gruppe der neowa GmbH mit Sitz in Lüneburg und des Entsorgungsunternehmens Nehlsen. Die Unternehmensgruppe bedient unter anderem die fachgerechte Aufbereitung und Entsorgung von Glasfaserverstärkten Kunststoffen sowie die Organisation der zu bewältigenden Abfallströme.

Valentin Sommer studierte M. Sc. Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Bauingenieurwesen. In seinem Promotionsprojekt beschäftigt er sich mit der Untersuchung und Entwicklung von Sammlungs- und Verwertungsnetzwerken, schwerpunktmäßig bezogen auf GFK und CFK. Herr Sommer, Sie beschäftigen sich mit der Gestaltung von Wertschöpfungsnetzwerken. Was bedeutet das in der Praxis?

In Zukunft ist mit steigenden Mengen an GFK-Abfällen zu rechnen. In die Jahre gekommene Rotorblätter der Windkraftanlagen oder GFK-Rückstände aus der Produktion: Aktuell besteht in der Praxis die Herausforderung mit diesen Abfallmassen umzugehen. Die Firmen neowa GmbH und Lafarge&Holcim Ltd. haben gemeinsam einen möglichen Verwertungsweg entwickelt, der neben der energetischen Verwertung der Abfälle -aufgrund der chemischen Zusammensetzung der Glasfaser- auch stoffliche Einsparungen mit sich bringt. Vor dem Hintergrund steigender Abfallmassen ergibt sich nun die Frage, wie ein möglichst europaweites Verwertungsnetzwerk für GFK-haltige Abfälle auf- und ausgebaut werden kann. Ziel ist es, die Verwertungspotenziale der Materialien besser ausschöpfen zu können und gleichzeitig die Investitions- und Logistikkosten gering zu halten. Aus diesem Grund wurde bei dem Besuch bei der neocomp GmbH ein Austausch mit dem verantwortlichen Stoffstrommanager angestoßen, um die Interessen und Anforderungen der Praxis bei der Untersuchung eines solchen Verwertungsnetzwerks abbilden zu können.

Martin Simons studierte M. Sc. Umweltingenieurwissenschaften mit Vertiefung Recycling und mechanische Aufbereitung. Innerhalb des Fortschrittskollegs beschäftigt sich Herr Simons insbesondere mit dem Verfahrensschritt der mechanischen Aufschlusszerkleinerung. Herr Simons wie werden die ausgedienten Rotorblätter aufgeschlossen?

Die Aufbereitung der Rotorblätter beginnt schon auf der Baustelle. Dort werden die Blätter, nachdem sie von den Windkraftanlagen rückgebaut wurden, in transportfähige Stücke zerlegt. Außerdem werden Störstoffe wie CFK Gurte, die im Inneren des Rotorblattes liegen, entfernt. In die Aufbereitungsanlage angeliefert werden zerkleinerte GFK-haltige Bauteile und Spuckstoffe, das sind Reststoffe aus Altpapierwerken, die zunächst vorgeschreddert werden müssen. Als erstes werden die GFK-haltigen Verbunde aufgebrochen und in einem nächsten Schritt wird dann die spezifische Oberfläche vergrößert und die Korngröße herabgesetzt. Um den Verbund des GFKs aufzubrechen und für die weitere Aufbereitung vorzubereiten, werden Schrottscheren verwendet, die aufgrund ihrer Robustheit und ihrer Leistung bestens geeignet sind, dieser Aufgabe gerecht zu werden. In der Aufbereitungsanlage werden die vorzerkleinerten GFK Stücke zusammen mit Spuckstoffen aus der Papierindustrie mittels Kammwalze und nachgeschaltetem Querstromzerspaner, einem speziellen Zerkleinerer, auf die gewünschte Korngröße gebracht.

Als studierter Entsorgungsingenieur untersucht Jan Stockschläder schwerpunktmäßig die energetische Verwertung von Carbonfaser-haltigen Abfällen und insbesondere die Beseitigung nicht mehr recyclingfähiger Fasern.

Herr Stockschläder, wie werden in diesem Fall die aufbereiteten GFK-Abfälle verwertet?

Die aufgeschlossenen und zerkleinerten Materialien werden zu Recyclingfasern oder hochwertigen Ersatzbrennstoffen mit einem durchschnittlichen Heizwert von 15 MJ je kg Ersatzbrennstoff verarbeitet. Eingesetzt in der Zementklinkerindustrie, können die Ersatzbrennstoffe dann einerseits fossile Brennstoffe ersetzen und Energie liefern und andererseits Rohstoffe wie Quarzsand substituieren. Dies ermöglicht der in den Glasfasern enthaltende Siliziumdioxidanteil: Bei der Verbrennung der Fasern entsteht Asche, die den Sand im Zement ersetzen kann.